Der Busfahrer - Streik im ÖPNV Rhein-Erft-Kreis



Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger vom 8.5.2004

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger vom 7.5.2004



Busfahrer streikten für sichere Jobs

Busverkehr rund um Köln wegen Warnstreik ausgefallen


Köln - Wegen Warnstreiks privater Verkehrsunternehmen sind am Freitagmorgen Busse in mehreren Landkreisen rund um Köln ausgefallen. Im Oberbergischen Kreis standen stellenweise die Hälfte der RVK-Busse still. Nach Angaben des RSVG Betriebshofs Hennef fuhren etwa 15 Prozent der 140 Busse bis 7.45 Uhr nicht. Die Auswirkungen des Warnstreiks wurden dort zum Teil aufgefangen worden, weil sich Verwaltungsmitarbeiter ans Steuer setzten. Auch im Rheinisch- Bergischen Kreis und im Erftkreis mussten viele Pendler warten.

Bislang werden die Busfahrer privater Unternehmen nach niedrigeren Tarifen bezahlt als die Kollegen im öffentlichen Dienst. Mit ihrem Warnstreik, zu dem die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di aufgerufen hatte, wollten die Busfahrer ihrer Forderung nach einem Einstieg in den Spartentarifvertrag Nahverkehr Nachdruck verleihen.

ver.di-Gewerkschaftsekretär im Bezirk Köln, Dirk Beyer, zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des Warnstreiks. Es seien keine weiteren Warnstreiks geplant. Die Geschäftsführer sollten mit dem ersten Ausstand dazu bewegt werden, in Tarifverhandlungen einzutreten. (dpa)



Hürther Stadtbusse standen still

KStA vom 3.4.04

VON BIRGIT LEHMANN

Die Gewerkschaft war mit der Streikbeteiligung zufrieden, doch nicht alle Fahrgäste brachten Verständnis auf.

Hürth - Freitagmorgen kurz nach 7 Uhr auf dem Zentralen Omnibusbahnhof an der Theresienhöhe in Hürth. In Zweierreihen parken die Stadtbusse hintereinander an dem langen Wartebahnsteig. Die Türen sind verschlossen, die Fahrerplätze leer, auf der Fensterscheibe liefert ein rotes Plakat die Erklärung: Warnstreik. Die Gewerkschaft Verdi hat die Fahrer zur befristeten Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Die Streikenden stehen in weiß-roten Plastikhemden mit der Verdi-Aufschrift am Kiosk des Wartehalle und trinken Kaffee. Die meisten wartenden Busgäste sind an diesem Morgen Berufspendler und Schüler. Verdi hatte zwar am Vortag auf den Warnstreik aufmerksam gemacht, „weil wir die Fahrgäste nicht verärgern wollen“, sagte Verdi-Sprecher Dirk Beyer. Doch nicht alle haben das mitbekommen. „Ich komm zu spät zur Arbeit“, schimpft eine junge Frau und will sich schon zu Fuß zur nächsten Haltebahnhaltestelle an der Luxemburger Straße aufmachen, als ein Autofahrer sie mitnimmt. „Ich habe jetzt Prüfungsvorbereitung“, sagt Mark Broich sauer. Für den Streik der Busfahrer hat er nur zum Teil Verständnis. Von 7.45 Uhr bis 8.30 Uhr wird gestreikt. „Gott sei Dank ist heute keine Prüfung“, sagt der junge Mann.

Einige Schüler sehen den Streik als willkommene Gelegenheit, den Unterricht zu schwänzen, obwohl der Schülerverkehr ist nicht betroffen, da hier private Unternehmen für den Stadtverkehr Hürth (SVH) fahren. „Ich hätte jetzt Mathe und hab' meine Hausaufgaben nicht gemacht“, sagt Sabrina grinsend. „Warum streiken die Busfahrer? Liegt das an uns, weil wir die Busse so schmutzig machen?“, vermutet ein anderes Mädchen.

Doch weit gefehlt. Es geht um den Tarifvertrag. Der Regionalverkehr Köln (RVK) wolle die Löhne bis Ende 2005 einfrieren und zudem die 40-Stunden Woche einführen, sagt Beyer. Verdi lehne dies ab. Wer mit Arbeitszeitverlängerung einverstanden sei, sorge für Personalüberhang und ermögliche damit Kündigungen für die Zukunft, so die Befürchtung der Gewerkschaft.

„Wir haben lange genug stillgehalten“, findet Busfahrer Dieter Odendahl, „jetzt wird es Zeit, etwas zu unternehmen.“ Rund 30 Fahrer beteiligen sich an dem Warnstreik, Odendahl spricht von zwei Dritteln der Belegschaft, da auch ein Großteil der Spätschicht sich aus Solidarität dazugesellt hat. Beyer sagt: „Ein toller Erfolg“.

Der Geschäftsführer der Stadtverkehr Hürth, Jürgen Wiethüchter, hingegen ist alles andere als erfreut. „Wir haben mit dem Streik im Prinzip überhaupt nichts zu tun.“ Der RVK sei Auftragnehmer bei dem SVH. Rund 30 Stadtbus-Fahrten seien durch den Streik ausgefallen. Wiethüchter kündigt an, bei dem RVK Schadenersatz zu verlangen.

(KStA)




VON MARKUS CLEMENS, 08.05.04, 07:12h

Am frühen Freitagmorgen warteten viele Kunden im Rhein-Erft-Kreis vergeblich auf den Bus.

Rhein-Erft-Kreis - Sie arbeiten 38,5 Stunden im Schichtdienst und verdienen nach Angaben der Gewerkschaft „ver.di“ rund 2000 Euro brutto im Monat. Doch jetzt haben die Busfahrer der „Regionalverkehr Köln GmbH“ (RVK) Angst, bei künftigen europaweiten Ausschreibungen der Buslinien gegen billigere Anbieter nicht mehr konkurrenzfähig zu sein. „Deshalb fordern wir in erster Linie einen Kündigungsschutz für unsere Mitarbeiter bis 2009“, erklärte Gewerkschaftssekretär Dirk Beyer am Freitag gegen 6 Uhr vor dem Bergheimer Busbahnhof. Dort waren viele Fahrer des Unternehmens von 4 bis 7 Uhr in den Warnstreik getreten.

„Dies ist bereits der zweite Streik, 400 Fahrer im gesamten Verbundgebiet haben die Arbeit niedergelegt“, betonte Beyer. Dabei gehe es ihnen nicht darum, ein Chaos im öffentlichen Personennahverkehr anzurichten. „Deshalb haben wir bereits so früh mit dem Streik begonnen“, erklärte Fahrer Hubert Timpe. Obwohl die Stimmung unter den Streikenden gut war, demonstrierten sie Entschlossenheit. „Wenn das Unternehmen uns nicht entgegenkommt, können wir auch einen Erzwingungsstreik organisieren.“

Die meisten ihrer Kunden glauben die Fahrer dabei hinter sich. „Die Reaktionen in Bergheim waren zumeist positiv, richtig beschwert hat sich keiner.“ Und in der Tat: Die Fahrgäste, die vor dem Busbahnhof im Regen standen, hatten Verständnis für den Warnstreik. „Ich komme wohl zu spät zu meiner Fortbildung“, erklärte Gabi Ecker. „Aber ich bin nicht sauer auf die Fahrer.“ Der 17-jährige Michael Boes sah das genauso. „Die kämpfen da um ihre Arbeitsplätze und um ihre Existenz. Da kann ich doch nicht meckern, wenn ich ein bisschen zu spät zur Schule komme.“

Am Zentralen Ominibusbahnhof in Hürth wurde ebenfalls von 6.45 bis 8.30 Uhr gestreikt. „Die meisten Kunden waren über Zeitung und Rundfunk informiert und sind gar nicht erst erschienen“, berichtete der Prokurist von Stadtverkehr Hürth, Jürgen Wiethüchter. Von den wenigen, die dennoch an der Haltestelle standen, seien einige ziemlich erbost gewesen. „Manche hatten kein Verständnis“, sagte Wiethüchter. „Kein Verständnis“ hat man auch in der Kölner RVK-Zentrale. Es gebe seit dem 24. April einen Tarifvertrage mit der Verkehrsgewerkschaft „GDBA“, der allerdings nur bis Ende des Jahres 2005 gelte. Und darin, so RVK-Sprecherin Sabine Fusshoeller, würden betriebsbedingte Kündigungen ohnehin ausgeschlossen. Diesem Vertrag sollten sich auch die in „ver.di“ organisierten Mitarbeiter anschließen.

(KStA)


Vor dem Bergheimer Bushof streikten Fahrer der RVK. Die meisten der Fahrgäste äußerten Verständnis für den Protest.
Bild: Clemens



KStA vom 2.4.04

Streik auf RVK-Linien in Hürth


Hürth - Auf den Buslinien der Regionalverkehr Köln (RVK) in Hürth sowie den Stadtbuslinien in Hürth kann es heute zu Verspätungen und Ausfällen kommen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten für 6.45 bis 8.30 Uhr zum Warnstreik aufgerufen. Die RVK bedient im Auftrag der SVH auch den Hürther Stadtbus, betroffen seien alle Stadtbuslinien, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Ebenso sind die RVK-Beschäftigten in Hennef, Gummersbach und Bergisch Gladbach zum Warnstreik aufgefordert.

Hintergrund sind die Tarifverhandlungen bei der RVK und der Rechtsrheinischen Busverkehrsgesellschaft (RBV). In beiden Verkehrsgesellschaften hat Verdi die Einführung des Spartentarifvertrages Nahverkehr gefordert, was der Arbeitgeberverband ablehne. Der Geschäftsführer der RVK, Eugen Puderbach, wolle die Löhne und Gehälter bis Ende 2005 einfrieren, so Verdi. Dasselbe Ergebnis solle auch für die RBV gelten. Diese Gesellschaft ist eine neue gegründete Tochter der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft, die Beschäftigte der RVK übernommen hat. Die Beschäftigten dort sollten an den Tarifvertrag der RVK gekoppelt werden, ohne dass die Arbeitnehmer Einfluss darauf nehmen könnten. (lm)




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